Schulen

Schulklasse vor der Königsbacher Oberschule, 1934. Foto: Fotosammlung Hubert Eckel.

von Ca­ro­li­ne Klausing

Neben den drei Grund­schu­len der Lud­wig­schu­le, der Ost­schu­le und der Schön­tal­schu­le (ur­sprüng­lich Wolfs­burg­schu­le) exis­tier­ten 1933 in der Stadt Neu­stadt eine be­rufs­be­glei­ten­de Schu­le und drei wei­ter­füh­ren­de Schu­len: Die Ober­re­al­schu­le Neu­stadt an der Haardt, das Mädchen-​Lyzeum und das Hu­ma­nis­ti­sche Gym­na­si­um. Die An­zahl der Schü­le­rin­nen und Schü­ler lag dort, ein Jahr bevor die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die Macht über­nah­men, bei allen drei Schu­len zwi­schen 250 und 350, ging bis 1933 aber ste­tig zu­rück. Das Ein­zugs­ge­biet der Schu­len reich­te über die Kern­stadt hin­aus, ca. die Hälf­te der Schü­ler stamm­te aus dem Um­land. Nur eine klei­ne Min­der­heit von je­weils fünf bis acht jü­di­schen Schü­lern und Schü­le­rin­nen be­such­te zu die­sem Zeit­punkt noch diese Schu­len. Ab 1933 wur­den sie zu­neh­mend aus­ge­grenzt und ver­trie­ben. 1936/37 gab es nur noch einen jü­di­schen Schü­ler an der Ober­re­al­schu­le, vier jü­di­sche Schü­le­rin­nen am Mädchen-​Lyzeum, im Falle des Hu­ma­nis­ti­schen Gym­na­si­ums ver­ließ 1937/38 der letz­te jü­di­sche Schü­ler die Ein­rich­tung. Durch die groß in­sze­nier­ten pro­pa­gan­dis­ti­schen Fest­lich­kei­ten bspw. an­läss­lich der Feier zur Macht­über­nah­me am 30. Ja­nu­ar oder zum Tag der Ar­beit am 1. Mai wur­den die Schu­len schon 1933 in das NS-​Regime in­te­griert. Hier­zu tru­gen auch die ideo­lo­gisch auf­ge­la­de­nen Lern­in­hal­te u. a. im Fach Deutsch bei. 1936 hat­ten schließ­lich in der Ober­re­al­schu­le mit Hein­rich Lei­ling, im Mädchen-​Lyzeum mit Wil­helm Kepp­ner und im Hu­ma­nis­ti­schen Gym­na­si­um mit Fried­rich Un­kel­bach Rek­to­ren die Lei­tung über­nom­men, die viel­fach in die NS-​Parteiorganisationen ein­ge­bun­den waren und den „Vor­rang der Po­li­tik vor der Päd­ago­gik“ end­gül­tig durch­setz­ten.

Quel­len

Stadt­ar­chiv Neu­stadt (StANW), Jah­res­be­rich­te des hu­ma­nis­ti­schen Gym­na­si­ums a. d. H.1931/32, 1933/3, 1937/38.

StANW Jah­res­be­rich­te des Städ­ti­schen Mädchen-​Lyzeums a. d. H.1931/32, 1933/34, 1936/37.

StANW Jah­res­be­rich­te der Obere­al­schu­le Neu­stadt a. d. H. 1931/32,1933/34,1936/37, 1968/69.

StANW Schul­be­richt über die Jahre 1940 bis 1956 aus Anlaß der Be­en­di­gung des 120. Schul­jah­res der An­stalt.

Li­te­ra­tur

An­dre­as Kraas, „Den deut­schen Men­schen in sei­nen in­ne­ren Le­bens­be­zir­ken er­grei­fen“. Das Lager als Er­zie­hungs­form, in: Klaus-​Peter Horn/Jörg-​W. Link (Hrsg.), Er­zie­hungs­ver­hält­nis­se im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. To­ta­ler An­spruch und Er­zie­hungs­wirk­lich­keit. Kemp­ten 2011, 295–318. Das Werk nimmt den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als Ge­gen­stand bil­dungs­his­to­ri­scher For­schung in den Blick. Der Auf­satz selbst rückt u. a. die Kul­tur der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Schu­lungs­la­ger für Leh­rer ins Zen­trum.

Otto Mül­ler, Ge­schich­te des Hu­ma­nis­ti­schen Gym­na­si­ums Neu­stadt an der Wein­stra­ße in der Zeit vom 1. Sep­tem­ber 1930 bis 29. Fe­bru­ar 1952. Neu­stadt a. d. W. o. J. Die Schul­ge­schich­te wurde vom ehe­ma­li­gen Ober­stu­di­en­rat Otto Mül­ler ver­fasst. Die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Zeit und die Ver­stri­ckung ein­zel­ner Lehr­kräf­te und Schul­lei­ter in das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Re­gime ist hier­bei von un­ter­ge­ord­ne­ter Be­deu­tung.

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