Einführung

Wer, wie, was? Unser Lexikon stellt kurz und prägnant zentrale Begriffe, Ereignisse, Orte und Personen zum Thema „Neustadt und der Nationalsozialismus“ vor. 164 Artikel beleuchten Verfolgten-, Täter- und Historiker*innen-Biografien, einschlägige Räume, Institutionen und Vorgänge, unterschiedlichste soziale Felder und Gruppen. Im Blickfeld stehen die NS-Zeit, deren Vorgeschichte und ihre Rolle in der lokalen Erinnerungskultur bis ins 21. Jahrhundert.

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Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Anzeige des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold zum Jubiläum des Hambacher Festes 1925, in: Pfälzische Bürgerzeitung, 07. August 1925, 4.

von Miriam Breß

Das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer e.V.“ wurde 1924 als parteiübergreifende Organisation von den Parteien der „Weimarer Koalition“ (SPD, DDP, Zentrum) gegründet. Das Reichsbanner entwickelte sich schnell zu einer Massenorganisation mit bis zu drei Millionen Mitgliedern, wobei deren Mehrheit parteipolitisch an die SPD gebunden war. Primäres Ziel des Reichsbanners war der Schutz der Weimarer Republik und der Weimarer Reichsverfassung. Dafür setzte es sich z. B. bei Wahlkämpfen ein, veranstaltete Verfassungsfeiern und warb insbesondere für die Weimarer Farben Schwarz-Rot-Gold. Ortsgruppen des Reichsbanners gab es in Neustadt, Mußbach, Hambach, Meckenheim, Neidenfels, Lambrecht, Frankeneck, Grethen, Weisenheim am Sand, Haardt, Haßloch und Bad Dürkheim. Der Bezirksführer des Reichsbanners Neustadt/Bad Dürkheim war in den letzten Jahren der Weimarer Republik Philipp Lützel. Seitens der NSDAP war das Reichsbanner immer wieder Übergriffen ausgesetzt. So wurde z. B. in Neustadt im Juni 1932 während einer Übungsstunde des Reichsbanners durch die Fenster des Übungsraums geschossen und im Juli 1932 (Gautag) wurde das Verkehrslokal des Reichsbanners angegriffen. Das Reichsbanner wurde in Bayern in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1933 verboten. In Neustadt und Umgebung wurden Mitglieder und Funktionäre des Reichsbanners verhaftet und in das (frühe) Konzentrationslager gebracht. Bei zahlreichen Hausdurchsuchungen wurde der Besitz der einzelnen Ortsgruppen – wie Fahnen, Bücher, Musikinstrumente und Geld – polizeilich beschlagnahmt und zugunsten des Staates eingezogen.

Quellen

Landesarchiv Speyer H41 62; Pfälzische Freie Presse, 03.06.1933; Landesarchiv Speyer H75 3, J72 349, J6 8998; C.V.-Zeitung, 15.07.1932, 29.07.1932, 11.11.1932; Pfälzische Freie Presse, 12.07.1932, 02.11.1932; Hauptstaatsarchiv München MJU 71715; Pfälzischer Kurier, 15.07.1933.

Literatur

Marcel Böhles, Im Gleichschritt für die Republik. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Südwesten, 1924–1933. Essen 2016. Die aktuelle Studie gibt einen Überblick über das Reichsbanner im Südwesten.

Manfred Geis/Gerhard Nestler (Hrsg.), Die pfälzische Sozialdemokratie. Beiträge zu ihrer Geschichte von den Anfängen bis 1948/49. Edenkoben 1999. Einzelne Aufsätze des Sammelbandes thematisieren auch das Reichsbanner in der Pfalz.

Karl Rohe, Der Reichsbanner Schwarz Rot Gold. Ein Beitrag zur Geschichte und Struktur der politischen Kampfverbände zur Zeit der Weimarer Republik. Düsseldorf 1966. Der Autor legte die erste umfassende Studie zur Geschichte des Reichsbanners vor.