Einführung

Wer, wie, was? Unser Lexikon stellt kurz und prägnant zentrale Begriffe, Ereignisse, Orte und Personen zum Thema „Neustadt und der Nationalsozialismus“ vor. 164 Artikel beleuchten Verfolgten-, Täter- und Historiker*innen-Biografien, einschlägige Räume, Institutionen und Vorgänge, unterschiedlichste soziale Felder und Gruppen. Im Blickfeld stehen die NS-Zeit, deren Vorgeschichte und ihre Rolle in der lokalen Erinnerungskultur bis ins 21. Jahrhundert.

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SAP

Von der SAP auch in Neustadt nach dem 30. Januar 1933 verbreitete Aufkleber. Foto: Stadtarchiv Ludwigshafen, Nachlass Herbert Müller 54.

von Klaus-Jürgen Becker

Nach der Gründung der linksoppositionellen Sozialistischen Arbeiterpartei ab Oktober 1931 übte die Neustadter SPD massiv Austrittsdruck auf SAP-Sympathisanten in den eigenen Reihen aus. In der Folge wurde Neustadt zum pfälzischen Zentrum der sozialistischen Kleinpartei. Allerdings: Die Agitation in den Gewerkschaften und die Herausgabe einer Regionalzeitung konnten nichts daran ändern, dass die Partei innerhalb der Arbeiterbewegung von geringer Bedeutung blieb und ihre Rolle vor allem in der Organisation der „Einheitsfront“ gegen die NSDAP hatte. Beispielhaft fand in Neustadt am 13. Juli 1932 eine Demonstration gegen „Faschismus und Sozialreaktion“ mit 1 500 Teilnehmern aus den Reihen von SPD, SAP und KPD statt. Weiter formalisiert wurde die „Einheitsfront“ am 26. Juli 1932 mit der Gründung einer „Erwerbslosenvereinigung zur Abwehr der faschistischen Diktatur“ aus Angehörigen von SPD, SAP und KPD. Allerdings votierten für die an eine Zusammenarbeit gegen die NSDAP appellierende SAP in Neustadt am 31. Juli 1932 lediglich 25 Wähler; am 6. November 1932 nur noch 18. Konsequent beschloss die Parteivorstandsmehrheit am 3. März 1933 die Selbstauflösung. Trotzdem wurden in Neustadt bei bekannten SAP-Mitgliedern in der Nacht vom 3. auf den 4. März 1933 Hausdurchsuchungen durchgeführt, um Einheitsfront-Materialien zu beschlagnahmen. Tatsächlich hatte sich die Mehrheit der Neustadter SAP der Position der Parteivorstandsminderheit angeschlossen und die Organisation einfach fortgeführt. Bereits am 21. September 1933 wurde der Kopf der Neustadter SAP, Ludwig Manderschied, verhaftet: Grund dafür war die Verteilung von Flugschriften, die zum Generalstreik gegen das NS-Regime aufriefen. Manderschied selbst blieb bis zum 2. November 1933 in Haft. Im überschaubaren Neustadt musste die SAP die direkte politische Arbeit ab 1935 einstellen.

Quellen

NSZ Rheinfront, 1933–1940; Pfälzische Post, 1931–1944; Badisch-Pfälzische-Arbeiter-Tribüne, 1931–1933.

Literatur

Klaus-Jürgen Becker/Philippe Haller, Wandler zwischen den Welten. Verfolgt vom Nationalsozialismus/verfemt vom Stalinismus – zur Biographie des Neustadter Beigeordneten Ludwig Manderschied, in: Klaus Frédéric Johannes (Hrsg.), Mobilitas. Festschrift zum 70. Geburtstag Werner Schreiners. Neustadt a. d. W. 2017, 131–145. Ein Überblick über die Geschichte der Neustadter SAP am biographischen Beispiel des bekanntesten Protagonisten.

Klaus-Jürgen Becker, Die pfälzischen Arbeiterparteien in den Jahren 1930–1933, in: Gerhard Nestler u. a. (Hrsg.), Vom Scheitern der Demokratie. Die Pfalz am Ende der Weimarer Republik. Karlsruhe 2010, 229–261. Eine Einordnung der Rolle der SAP innerhalb und ihre Bedeutung für die pfälzische Arbeiterbewegung zwischen 1931 und 1945.

Hanno Drechsler, Die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung am Ende der Weimarer Republik. Meisenheim a. G. 1965. Grundlegende Monographie zur Geschichte der SAP reichsweit.