Kultur

Theateranbau Saalbau Hetzelplatz 1932. Foto: Stadtarchiv Neustadt, Fotobestand.

von Jonas Burkei

Während der Zeit des „Dritten Reiches“ wurden kulturelle Angebote intensiv zur Inszenierung der propagierten Volksgemeinschaft genutzt. Seit 1933 bestand das klare Ziel, alles aus dem kulturellen Bereich auszuschließen, was laut NS-Ideologie nicht als „deutsch“ galt, vor allem Werke politisch missliebiger und jüdischer Kulturschaffender. Politisch war der kulturelle Bereich durch die Reichskulturkammer und deren Unterabteilungen, bspw. die Reichsmusik- oder die Reichsfilmkammer, dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Auch in Neustadt nutzte das NS-Regime sowohl den musikalischen Bereich wie auch das Kino und das Theater, um diese durch große Massenveranstaltungen als Erlebnisräume der Volksgemeinschaft zu inszenieren. Mithilfe besonderer „Events“ und Angebote – Serenaden-Abende, abendliche Festaufführungen von Kinofilmen und ein breites Angebot von Operetten über Dramen bis hin zu Kabarett sowie nach Einkommen gestaffelte Eintrittspreise und ein sog. „Volksabonnement“ für die Theatersaison – sollten breite Bevölkerungsschichten angesprochen und in die jeweiligen Häuser gelockt werden. Neben Veranstaltungen im Freien, bspw. auf dem damaligen „Adolf-Hitler-Platz“ (heute Marktplatz), waren insbesondere der Saalbau und das Kurt-Faber-Haus kulturelle Zentren der Stadt. Gleichwohl waren davon all jene ausgeschlossen, die im Sinne der NS-Ideologie nicht zur Volksgemeinschaft gehörten, was sich in Neustadt insbesondere an rassistischen und antisemitischen Kommentaren in Zeitungen sowie dem Verbot von z. B. Arbeitergesangsvereinen niederschlug. Großen Anteil am Erfolg hatte in Neustadt die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), die regelmäßig zu Veranstaltungen lud. Gespielt wurden dabei Stücke, die einem kulturkonservativen Stil entsprachen, während beispielswiese avantgardistische und pazifistische Werke abgelehnt wurden.

Quellen

Landesarchiv Speyer H41 1103; Stadtarchiv Neustadt A 5613.

Literatur

Wolfgang Diehl, Pfälzisches Kulturleben im „Dritten Reich“, in: Gerhard Nestler u. a. (Hrsg.), Braune Jahre in der Pfalz. Neue Beiträge zur Geschichte einer deutschen Region in der NS-Zeit. Kaiserslautern 2016, 145–176. Der Beitrag beschäftigt sich mit einem breiten Spektrum des kulturellen Lebens und dessen regionaler Organisation zur Zeit des Nationalsozialismus.

Michael H. Kater, Culture in Nazi Germany. New Haven u. a. 2019. Der Autor beschäftigt sich in englischer Sprache umfassend mit der Entwicklung und den Kontinuitäten des kulturellen Lebens vom Ausgang der Weimarer Republik bis hin zu den Nachkriegsjahren und bezieht neben klassischen kulturellen Bereichen auch die neuen Massenmedien Film und Radio mit ein.

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