NSZ-Rheinfront/NSZ-Westmark

Zeitungskopf, in: NSZ Rheinfront, 18. April 1934.

von Tobias Hirschmüller

Die „Nationalsozialistische Zeitung (NSZ) Rheinfront“ war ein seit Oktober 1930 im Gau Rheinpfalz erscheinendes Parteiorgan der NSDAP (Startauflage 3 000). Später kamen weitere regionale Ausgaben u. a. in Kaiserslautern, Ludwigshafen am Rhein, Neustadt und Saarbrücken hinzu. Bereits 1932 war sie mit 29 000 Stück das auflagenstärkste Presseerzeugnis in der Pfalz. Nach der Schaffung des Gaus Westmark wurde die Zeitung im Dezember 1940 in „NSZ Westmark“ umbenannt. Diesen Namen hatte zuvor seit August jenes Jahres die in Metz erscheinende Ausgabe. Im Jahr 1943 besaßen die bis zu 15 Bezirksausgaben eine Auflagenhöhe von zusammen 388 000. Letztmals erschien das Blatt am 18. März 1945, kurz vor dem Einmarsch der Expeditionstruppen der Westalliierten. Die Zeitung stand unter dem maßgeblichen Einfluss von Gauleiter Josef Bürckel (1895–1944), der hier seine Reden und regionalen Sondermaßnahmen ausführlich darstellen und glorifizieren ließ. Im Gegensatz zu anderen Gauleitern konnte sich Bürckel wie sonst nur noch Erich Koch (1896–1986) in Ostpreußen der Zentralisierung des nationalsozialistischen Pressewesens per Sondergenehmigung Hitlers entziehen, indem er sein Blatt in eine Stiftung einbrachte, über deren Gewinne er verfügte. Die „NSZ“ sollte die Konsolidierung der NS-Herrschaft vorantreiben, indem einerseits die Arbeit des Regimes verherrlicht und andererseits zwecks Abschreckung offen die Gewalt gegen Personen kommuniziert wurde, die sich dem Regime widersetzten oder diesem grundsätzlich missliebig waren.
Der Redaktion war zudem maßgeblich die Aufgabe gestellt, in der Bevölkerung die Entwicklung einer Gau-Identität für die „Westmark“ zu fördern, indem eine kulturelle Eigenart und die „rassische“ Verbundenheit von Saargebiet, Rheinpfalz und Lothringen suggeriert wurden.

Quellen

NSZ-Rheinfront und NSZ-Westmark, diverse Ausgaben.

Literatur

Lothar Meinzer, Stationen und Strukturen der nationalsozialistischen Machtergreifung. Ludwigshafen am Rhein und die Pfalz in den ersten Jahren des Dritten Reiches. Ludwigshafen a. Rh. 1983. Enthält ein Kapitel über Bürckels Pressesteuerung mit einem Schwerpunkt auf den 1930er Jahren.

Stephan Pieroth, Josef Bürckel und die pfälzische Presse, in: Pia Nordblom u. a. (Hrsg.), Josef Bürckel. Nationalsozialistische Herrschaft und Gefolgschaft in der Pfalz. Kaiserslautern 2019, 113–122. Kurze, aber wichtige und neueste Darstellung der Pressepolitik von Bürckel.

Andreas Merl, Tagespresse im Saargebiet 1918–1945, in: Clemens Zimmermann u. a. (Hrsg.), Medienlandschaft Saar, Bd. 1: Medien zwischen Demokratisierung und Kontrolle (1945–1955). München 2010, 37–60. Abriss zur Durchdringung der Saarpresse nach der Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich.

Joseph Wulf, Presse und Funk im Dritten Reich. Eine Dokumentation. Gütersloh 1964. Zwar in Teilen mittlerweile veraltet, aber immer noch eine hilfreiche Einführungslektüre.

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