Wirtschaft 1939–1945

von Mario Aulenbacher

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wirkte sich zunächst nur minimal auf die Wirtschaft Neustadts aus. Die meisten Betriebe hatten sich bereits in den vorangegangenen Jahren auf die kriegsvorbereitende „Wehrwirtschaft“ eingestellt. Dies traf insbesondere auf große Betriebe der Holz-, Metall- und Maschinenindustrie sowie der Textil- und Papierproduktion zu, von denen manche im Sommer 1939 bereits bis zu 80 Prozent ihrer Kapazitäten für Heeresaufträge einsetzten. Größtes Problem war neben stockender Rohstoffversorgung der durch Heereseinberufungen entstehende Fachkräftemangel. Diesen versuchte man zunächst durch die Einstellung von Frauen, dann zunehmend durch den Einsatz von Kriegsgefangenen und zivilen Zwangsarbeitskräften zu kompensieren. Die ersten polnischen Kriegsgefangenen kamen bereits im Oktober 1939 in Neustadt an. Einige Unternehmen profitierten in den ersten Kriegsmonaten sogar von der neuen Situation. Der gesteigerte Güterbedarf des Militärs brachte zahlreiche Aufträge, insbesondere für das produzierende Gewerbe der Stadt, so beispielsweise für die Trikotwarenfabrik Helfferich oder die Uniformtuchfabrik Oehlert, die im Auftrag der Wehrmacht Uniformteile fertigten. Für nicht als kriegswichtig eingestufte Betriebe wurde es allerdings immer schwieriger, durchzuhalten. Mit dem Fortschreiten des Krieges stellte die Rohstoffknappheit ein zunehmendes Problem dar. Rationierungen, Materialbeschlagnahmungen und Produktionsausfälle waren in manchen Branchen bald an der Tagesordnung. Auch der sich verschärfende Mangel an Transportmöglichkeiten, insbesondere Eisenbahnwaggons, die entweder anderweitig genutzt oder wie die Bahntrassen durch Luftangriffe zerstört wurden, behinderte die hiesigen Unternehmen teilweise massiv in der Auslieferung ihrer Produkte. 1945 lag die Wirtschaft der Stadt weitgehend darnieder. Viele Gebäude waren zerstört oder beschädigt, Arbeiter und Firmeninhaber dezimiert, die Infrastruktur stark eingeschränkt.

Literatur

Mario Aulenbacher, Arbeiten für die Volksgemeinschaft. Neustadts Wirtschaft 1933–1945, in: Markus Raasch (Hrsg.), Volksgemeinschaft in der Gauhauptstadt. Neustadt an der Weinstraße und der Nationalsozialismus. Münster 2020. Der Aufsatz liefert einen Gesamtüberblick über die wirtschaftliche Entwicklung Neustadts in der NS-Zeit unter Ausklammerung der Weinwirtschaft.

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